Gedanken zum Hochfest Erscheinung des Herrn
Ballei Deutschland – 6. Januar 2026

Auf neuen Wegen gehen
von P. Jörg Weinbach OT
Geistlicher Assistent der Ballei Deutschland
Wir feiern am heutigen Tag das Hochfest der Erscheinung des Herrn, das im Volksmund meist Heilige Drei Könige genannt wird. Von ihnen handelt das Evangelium der Messe, wenn Matthäus sie auch magoi – Magier, Weise, Sterndeuter nennt. Erst die Legende macht aus ihnen wegen ihrer drei wertvollen Geschenke, Gold, Weihrauch und Myrrhe, drei Könige.
Es geht an diesem Hochfest aber um mehr als die wundersame Auffindung des Kindes durch diese Männer aus dem Osten, die einen Stern aufgehen sahen, deshalb nach Jerusalem kommen und dann unter Verweis auf die Propheten nach Bethlehem geschickt werden, wo der Stern das Haus markierte, in dem sie das Kind finden. In der Geschichte von den sterndeutenden Königen wird dies durch das Wort angedeutet, mit dem die Art ihrer Verehrung des Kindes beschrieben wird. Der griechische Begriff proskunein, den die Einheitsübersetzung mit huldigen übersetzt, meint einen Akt der Gottesverehrung Deshalb wird er in der Vulgata auch zutreffend mit adorare – anbeten wiedergeben.
Es geht also um die Frage, wer dieses Kind ist. Darum zu erkennen, dass Gott selbst auf Erden erschienen ist und sich vor den Völkern offenbart. Dem entspricht die Magnifikat-Antiphon dieses Tages: „Drei Wunder heiligen diesen Tag: Heute führte der Stern die Weisen zum Kind in der Krippe. Heute wurde Wasser zu Wein bei der Hochzeit. Heute wurde Christus im Jordan getauft, uns zum Heil. Halleluja.“ (Stundenbuch Bd. I, S. 301) In diesen drei Geschehnissen offenbart sich das Wesen Christi und seine Bedeutung für uns:
Er selbst war es, der die Sterndeuter durch seinen Stern auf ihrer Suche geführt hat, die sie über Jerusalem und die Schriften des Alten Testamentes zu ihm nach in Bethlehem bringt, zu jener Begegnung, die sie mit übergroßer Freude erfüllt und darin endet, dass sie niederfallen und ihm huldigen (proskunein).
In Kana tut er sein erstes Zeichnen und offenbarte seine Herrlichkeit, so dass seine Jünger an ihn glaubten. (Vgl. Joh 2,11) Es ist ein Zeichen der überfließenden Liebe Gottes, die kein Maß kennt, sondern alles Erwartbare übertrifft, in Quantität wie Qualität. Und dies gilt nicht nur für den Wein bei der Hochzeit, sondern offenbart sein Wesen, das vollkommene Lebenshingabe, vollkommene Liebe ist: Gott wird in Jesus Christus Mensch, um den Menschen zu erlösen. Er nimmt den Tod auf sich, um uns aus den Fesseln des Todes zu befreien und mit dem neuen Leben seiner Auferstehung zu beschenken.
Und letztlich offenbart uns die Taufe im Jordan nicht nur die Sohnschaft Christi, des geliebten Sohnes, sondern auch unsere Berufung, Kinder Gottes zu werden, Brüder und Schwestern Christi. Jener Berufung, die uns in der Taufe auf den Namen des dreieinigen Gottes geschenkt ist und die wir durch unser Leben entfalten sollen, indem wir Christi Liebe und Selbsthingabe nachahmen und ihm so immer ähnlicher werden.
Das erfordert aber mehr als nur Lippenbekenntnisse. Die Liebe, die uns erschienen ist, muss durch unser Leben in der Welt aufleuchten, so wie es die erste Lesung des Hochfestes sagt: „Steh auf, werde Licht, Jerusalem, denn es kommt dein Licht und die Herrlichkeit des Herrn geht strahlend auf über dir.“ (Jes 60,1) Diese Aufforderung dürfen und müssen wir auf uns selbst beziehen, denn Christus, „das wahre Licht, das jeden Menschen erleuchtet“ (Joh 1,9), sagt über unsere Berufung: „Ihr seid das Licht der Welt. Eine Stadt, die auf einem Berg liegt, kann nicht verborgen bleiben. Man zündet auch nicht eine Leuchte an und stellt sie unter den Scheffel, sondern auf den Leuchter; dann leuchtet sie allen im Haus. So soll euer Licht vor den Menschen leuchten, damit sie eure guten Taten sehen und euren Vater im Himmel preisen.“ (Mt 5,14–16)
Wir sollen durch unser Leben lebendige Zeugen der Liebe Gottes in der Welt sein, indem wir Christi liebende Hingabe nachahmen, der uns durch das Licht des Evangeliums leitet, uns mit seiner Liebe immer neu in unüberbietbarer Weise beschenkt und uns berufen hat, als seine Söhne und Töchter in dieser Welt zu leben.
„Weil ihnen aber im Traum geboten wurde, nicht zu Herodes zurückzukehren, zogen sie auf einem anderen Weg heim in ihr Land.“ (Mt 2,12) Dieser Satz, mit dem das Evangelium von den drei sterndeutenden Königen endet, enthält eine tiefe Wahrheit, die über die Tatsache hinausgeht, dass sie hierdurch das Christuskind zumindest kurzzeitig vor der Verfolgung durch Herodes schützten. Schon bald wird Herodes dem Kind nach dem Leben trachten und lässt, als er merkt, dass die Sterndeuter ihn getäuscht hatten, in Bethlehem und Umgebung alle Knaben töten, die ein entsprechendes Alter haben. (Vgl. Mt 2,16)
Die sterndeutenden Könige nahmen auch deshalb einen anderen Weg, weil man von der Krippe nicht weggehen kann, wie man zu ihr hingekommen ist, wenn man tatsächlich erkannt hat, wer auf Erden erschienen ist. Wenn man erkannt hat, dass dieses Kind wirklich und wahrhaftig der Sohn Gottes, das menschgewordene Wort des Vaters ist, ändert diese Erkenntnis das ganze Leben. Bei den Sterndeutern zeigt sich dieser Wechsel daran, dass sie nicht mehr in den Sternen nach Wegweisung suchen, sondern wie es auch vom heiligen Josef berichtet wird, auf die Stimme Gottes hören, der im Traum zu ihnen spricht.
So nehmen die Könige einen neuen Weg, denn das, was sie gesehen und erfahren hatten, begleitete und änderte ihr Leben. Dementsprechend berichtet die Legende, dass sie später, zu Bischöfen geweiht, ihr ganzes Leben in den Dienst der Verkündigung Christi stellten. Und es kommt nicht von ungefähr, dass das Christentum zunächst als „Neuer Weg“ bezeichnet wurde, fordert der Glaube an Jesus Christus doch eine radikale Neuausrichtung des Lebens. Denn Christus ist der Weg, die Wahrheit und das Leben, dem wir folgen sollen. Und diese Nachfolge, die uns ihm immer ähnlicher machen soll, erfordert eine stetige Umkehr, bis wir mit Paulus sagen können: „Nicht mehr ich lebe, sondern Christus lebt in mir“. Es geht um die Bereitschaft, seinen eigenen Willen immer mehr am Willen Gottes auszurichten, so wir im Vaterunser beten: „Dein Wille geschehe wie im Himmel so auf Erden.“
Am Beginn des neuen Jahres lädt Christus auch uns ein, die alten Wege der Selbstsucht und Ich-Bezogenheit eines Herodes aufzugeben, der bei der Botschaft von der Geburt des Kindes erschreckt, weil er um irdischen Reichtum und vergängliche Macht fürchtete, während das Kind von Bethlehem uns die Suche nach dem wirklichen Gut lehren will, um uns die Macht zu verleihen, Kinder Gottes zu werden. (Vgl. Joh 1,12) Dieser Neue Weg ist geprägt von den Weisungen der Seligpreisungen, von einer radikalen Umwertung aller Dinge – davon, dass derjenige gerechtfertigt sein wird, der wie Christus sein Leben hingibt.
Dies in den Alltag unseres Lebens zu übersetzen, ist die Aufgabe, vor der wir am Beginn dieses Jahres stehen. Denn so schön es bei der Krippe ist, wir können dort nicht dauerhaft verweilen. Christsein bewährt sich nämlich nicht an den Sonn- und Feiertagen, sondern an den Werktagen, im Umgang mit der Familie, den Freunden, den Bekannten und Arbeitskollegen. In der Art und Weise, wie wir den Bedürftigen, den Einsamen und Hilfesuchenden begegnen. Wir alle wissen, sehr gut, was dies von uns verlangt, wir benötigen hierzu keinen Engel, der im Traum zu uns spricht, vielmehr reicht es, wenn wir auf die Stimme unseres Gewissens hören, die ein Widerhall des göttlichen Wortes in unseren Herzen ist.
Möge es uns – einzeln wie als Gemeinschaft des Deutschen Ordens – im vor uns liegenden Jahr gelingen, unseren Mitmenschen Christus offenbar zu machen, sie mit seiner überfließenden Liebe zu beschenken und ihnen zu zeigen, dass auch sie zur Gotteskindschaft berufen sind.
Ich wünsche Ihnen und allen, die Ihnen am Herzen liegen, ein gutes, gesegnetes und gnadenreiches neues Jahr 2026!